
Es muss wieder einmal alles anders sein: Statt dem niedlichen deutschen Titel „Das schlaue Füchslein“ wird der Oper von Leoš Janáček ein neuer verpasst. Denn der Titel war bisher angeblich von Max Brod „falsch“ ins Deutsche übersetzt: Jetzt heißt das Werk jedenfalls „Die gerissene Füchsin“ und auch sonst wird diese 1924 uraufgeführte jetzt am Landestheater Linz gezeigte Oper ganz anders gedeutet. Dafür sorgt Peter Konwitschny, der schon von Anfang an keinerlei drolligputzige Stimmung aus der Tierwelt aufkommen lässt, sondern diese komplett ausklammert. Er lässt den geschilderten Lebensweg der kleinen Füchsin nur in der Menschenwelt spielen, was eine Unterscheidung zwischen Mensch und Tier unmöglich macht. Er will vielmehr gesellschaftliche Umgangsformen und Machtstrukturen auch zwischen Alt und Jung zeigen.
Der deutsche Alt-Regisseur lässt kein, vom Komponisten eigentlich gewünschtes Naturgeschehen, keinen Wald zu, sondern zeigt ein sich stets drehendes, halbzerfallenes, schäbiges Gebäudeensemble mit einer umtriebigen Jugendgang mit Breakdancern, eine Prostituierte, die sich gleich einmal einen Schuss Heroin verpasst, in ärmlichen, hässlichen Kostümen (Ausstattung: Timo Dentler und Okarina Peter). Leider geht dadurch viel von den in der Oper reichlich vorhandenen, gewünschten Stimmungen und das Wesen der Fabel überhaupt verloren.
Stimmungen, die hingegen musikalisch reichlich vorhanden sind: Denn das Bruckner Orchesters Linz unter dem souveränen Chefdirigenten Markus Poschner weiß die kühnen harmonischen Verbindungen der kunstvoll gearbeiteten Partitur mit ihrer sensiblen Instrumentation und charakteristischen Rhythmik wunderbar farbig, nuancenreich und sängerfreundlich zu verströmen.
Gesungen wird gut, mehr oder minder verständlich in deutscher Sprache mit einem vom Regisseur selbst neu kreierten, modernisierten nicht immer passenden Text, denn für ihn ist die deutsche Übersetzung von Max Brod unzulänglich. Zudem werden alle von Komponisten vorgesehenen Hosenrollen mit Männern besetzt: Carina Tybjerg Madsen verfügt als Füchsin über einen feinen, lyrischen Sopran. Adam Kim ist ein ungemein präsenter, kernig singender Förster, kostümiert in Uniform wie ein Ordnungshüter, der zum Finale fast ganz um Dunkeln sitzend paradoxerweise den nie vorhandenen Wald als herrlich besingt. Michael Wagner ist ein robuster, kraftvoller Haraschta, obwohl ein Landstreicher als einziger mit weißem Anzug elegant ausstaffiert. SeungJick Kim singt den Fuchs, der eigentlich als Hosenrolle für einen Mezzo gedacht ist, wunderbar. Verlässlich: Dominik Nekel (Pfarrer), Christian Drescher (Schulmeister) sowie Manuela Leonhartsberger als Försterin. Die übrigen vielen kleineren Rollen sind durchaus adäquat besetzt. Ein Lob gilt dem Chor und dem ungemein lebendigen Kinder- und Jugendchor des Linzer Landestheaters.
Viel Applaus für die musikalische Seite, der für das Regieteam spärlicher ausfällt, bei dessen Verbeugung zum Finale auch einige wenige Unmutsäußerungen sind zu hören!
Dr. Helmut Christian Mayer
03. April 2025 | Drucken
Kommentare