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Leider wird das vollständige „Il trittico“ von Giacomo Puccini sehr selten aufgeführt. Und das ist schade, denn es beinhaltet herrliche Musik. Obwohl das Puccini-Jubiläumsjahr vorbei ist, setzte das Teatro Verdi in Triest, in einer Koproduktion mit dem Teatro in Bologna, den vollständigen Dreiteiler auf seinen Spielplan.
Und wieder einmal ist das Niveau der Sänger am Opernhaus sehr hoch: Allen voran singt Anastasia Bartoli mit prachtvollem Sopran und intensiver Gestaltung die Angelica. Als Fürstin, ihre unerbittliche Gegenspielerin, agiert Chiara Mogini gefühlskalt. Im „Mantel“ singen Mikheil Sheshaberidze den Luigi mit toller Höhe und Olga Maslova die Giorgietta intensiv. Sie stellt auch ihre zerrissenen Gefühle zwischen ihm und Michele gut dar. Roman Burdenko gefällt sowohl als Michele als auch als pfiffiger Gianni Schicchi mit kernigem Bariton. Sara Cortolezzis ist eine schönstimmige Lauretta, die mit dem Ohrwurm „O mio babbino caro“ punkten kann. Pierluigi D’Aloia hört man als Rinucccio mit unverbrauchtem Tenor. Auch in den zahlreichen, kleineren Partien wird gut gesungen.
Francesco Ivan Ciampa am Pult des Orchesters des Teatro Verdi trifft genau den Puls und Tonfall von Puccinis subtiler und farbiger Musik. Im gut disponierten Klangkörper erlebt man stimmungsreiche Detailzeichnungen, aufregende Spannung und plappernde Vitalität.
Ein Gewitter mit Wolken zieht auf, Blitze zucken vom Himmel, als Michele seinen riesigen Umhang ausbreitet und wie Nosferatu in einem Horrorfilm grausam zuerst den Mord an seinem Nebenbuhler seiner Frau begeht und diesen dann von Schiffsbug herunterfallen lässt: So gruselig inszeniert Pier-Francesco Maestrini diese Schlüsselszene aus „Il tabarro“ das im Elendmilieu der Seine-Fischer spielt, Er zeigt dieses Konglomerat aus Eifersuchtsdrama, Klostertragödie und Erbschleicherkomödie insgesamt in dunklen, altmodischen aber sehr ästhetischen Bildern (Nicólas Boni) und ebensolchen Kostümen (Stefania Scaraggi). Diese erinnern mit einer Felsenlandschaft, mit Projektionen im Hintergrund teils vom Meer, von Klostermauern oder einem Wimmelbild von lauter menschlichen Leibern an alte Meister, etwa an Hieronymus Bosch. Während „Il tabarro“ und „Suor Angelica“ im tristen Klostermilieu klar und packend erzählt werden, spielt die Komödie „Gianni Schicchi“ offenbar in der Hölle. Hier schreibt der Teufel das Testament mit dem Blut des Notars nieder. Hier erwachen einige von den herumliegenden grauen Leibern zum Leben. Der Sinn dieser Idee erschließt sich jedoch nicht und nimmt dem Stück ziemlich die Komik.
Viel Applaus!
Dr. Helmut Christian Mayer
27. Februar 2025 | Drucken
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